Religion und Gesellschaft

Forschungsprojekt:

Religion und Gesellschaft in den USA und Deutschland - Religiöse Spiritualität, politische Mission und Demokratie

 

Ausgangslage

Konservative evangelikale und fundamentalistisch-christliche Bewegungen in den USA haben im letzten Jahrzehnt beträchtlich an gesellschaftlichem und politischem Einfluss gewonnen. Strenggläubige Protestanten machen inzwischen knapp ein Viertel aller registrierten Wähler aus, der überwiegende Teil von ihnen unterstützt die republikanische Partei. Nicht zuletzt die Wiederwahl des diesem Wählermilieu nahestehenden Präsidenten George W. Bush deutet darauf hin, dass diese markante Verschiebung in der innenpolitischen Architektur der westlichen Führungsmacht die nationalen und internationalen Entscheidungen der Vereinigten Staaten längerfristig prägen wird. Trotzdem wird das Machtpotential dieses konservativ-christlichen Politnetzwerks in Deutschland immer noch stark unterschätzt und werden seine religiösen Wurzeln wenig verstanden. Infolgedessen wird das erfolgreiche und aggressive politische Wirken christlicher Lobbygruppen vor allem mit Misstrauen und Unverständnis betrachtet.

Deutschland und die USA leben sich nicht nur bei der gesellschaftlichen Präsenz von Religion, sondern auch beim Stellenwert von Glauben in der Bevölkerung auseinander. Während in den USA die Mehrheit der Bevölkerung religiös und das christlich-konservative Milieu politisch straff organisiert sind, sind in Deutschland die Menschen überwiegend säkular eingestellt, hält nur noch eine Minderheit Glauben im eigenen Leben für wichtig und spielen die Kirchen im politischen Alltag eine eher verhaltene und indirekte Rolle. Diese Differenzen haben nicht zuletzt die transatlantischen Beziehungen anfälliger gemacht für Spannungen, Fehlurteile und wechselseitige Missverständnisse.

 

Projekt

Umso wichtiger ist es, dass deutsche und amerikanische Studierende lernen, sich mit den wechselseitigen Entwicklungen in beiden Ländern unvoreingenommen zu beschäftigen, sie besser zu verstehen und – soweit wie möglich – in konkreter Anschauung zu erkunden. Dieses Ziel verfolgt das Projekt "Religion und Gesellschaft" der Abteilung Soziologie des John-F.Kennedy-Instituts, das nicht nur theoretisch, sondern vor allem auf Austausch und Begegnung angelegt ist.

Startschuss für das Projekt was das Hauptseminar "Die Religiöse Rechte in den USA" im Wintersemester 2005/2006. Unter  der Leitung von Prof.Dr. Harald Wenzel und Dr. Martin Gehlen, Theologe und Journalist beschäftigten sich die Studierenden mit der Reformation und ihre theologischen Fundamenten, der Entstehung des christlichen Kosmos in den USA vom 17. bis zum 20. Jahrhundert sowie mit Aufbau und Einfluss des religiös-politischen Netzwerks während der letzten 40 Jahre.

Im April 2006 folgte eine Exkursion von 14 Seminarteilnehmern in die USA. Die Studierenden führten Interviews mit Interessengruppen in Washington, D.C., besuchten den christlichen Fernsehsender CBN und die Regent University in Virginia Beach und verbrachten anschließend mehrere Tage in insgesamt 29 Kirchengemeinden in Virgina, um dort aktive Meldforschung zu betreiben.

Im Wintersemester 2006/2007 veranstaltete Prof.Dr. Wenzel das Hauptseminar "Public Religion", das sich mit dem öffentlichen Charakter von Religionspraxis in den USA auseinandersetzte. Außerdem wurde untersucht, inwieweit Religion Einfluss auf die amerikanische Politik und auf die Definition gesellschaftlicher Probleme hat sowie welche zukünftigen Folgen ein religiös fundiertes Weltbild in den USA haben wird.

 

Ergebnisse

Auf dieser Internetseite werden alle Aktivitäten des Projekts dargestellt. Neben einer Sammlung von Hintergrundwissen zu Religion in den USA, ist die gesamte Exkursion 2006 umfassend dargestellt. Da das Projekt sich stetig entwickelt ist eine ständige Erweiterung der Online-Präsentation geplant.