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Sophia Lohmann

Doktorandin

Adresse
Lansstraße 5-9
14195 Berlin

Research Interests

- Literary theory, essayism, modernism, world literature, American literature of the 20th century, transcultural writing

- History of knowledge, gender and queer theory, postcolonial theory, cultural studies, aesthetics

- practices of resistance, embodiment, border discourses, ‘minor’ poetics

Education

10/2016 – 9/2019

Master of Arts in Cultural History and Theory, Humboldt-Universität zu Berlin

Thesis: Essayistic Transformations. Transcending Genre and Gender, the Fluid (Textual) Body and the Queer Ethics of Dialogue in Maggie Nelson‘s The Argonauts

 9/2017 – 1/2018

Postgraduate Visiting Student, MSc Comparative Literature and MSc Film Studies, University of Edinburgh

 10/2012 – 9/2016

Bachelor of Arts in Comparative Literature (Peter Szondi Institute) and Political Science (Otto Suhr Institute), Freie Universität Berlin

Thesis: Figurations of Transgression. Language, Gender and Insanity in Robert Musil‘s novel The Man Without Qualities

Scholarships and Awards

11/2020 Doctoral Scholarship, Studienstiftung des Deutschen Volkes

 3/2020 Doctoral Grant for three-year PhD program, Graduate School of North American Studies, John F. Kennedy Institute, Berlin

 10/2019 Humboldt Research Track Scholarship, Funded by the Humboldt-Universität zu Berlin within the Excellence Initiative of the states and the federal government

Work experience

Since 5/2020

Head of editorial department, ROM – Gesellschaftsmagazin

 9/2020 – 12/2020

Project assistant, Anthropocene Curriculum, Haus der Kulturen der Welt, Berlin

 2017– 2020

Freelance writer and editor (i.e. ZEIT online, Epitext -Blog zum Internationalen Literaturpreis Haus der Kulturen der Welt, ROM – Gesellschaftsmagazin)

10/2015 – 9/2019

Student assistant, Peter Szondi-Institute of Comparative LiteratureFreie Universität Berlin, Chair of English and Comparative Literature

Eingreifendes Schreiben. Genderwissen, politische (Text-)körper und kulturelle Figurationen im nordamerikanischen Essay und in transatlantischen Theorieverflechtungen (1958-1992) (Dissertationsprojekt)

Dissertation in Literatur

Mentoring Team:
First supervisor: Prof. Ulla Haselstein
Second supervisor: Prof. Iris Därmann (Department of Cultural History and Theory, Humboldt-Universität zu Berlin)
Third supervisor: Prof. Florian Sedlmeier

Das Dissertationsprojekt untersucht essayistisches Schreiben nordamerikanischer Autorinnen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als kulturelle Praxis und ästhetisch-diskursive Intervention.

Essayistisches Denken und Schreiben wird gemeinhin als undiszipliniert, demokratisch, antinormativ und darin genuin kritisch verstanden. Doch kann eine Form an und für sich kritisch sein? Welche Bedeutung haben die historisch und kulturell spezifischen Kontexte, in denen Essays geschrieben und rezipiert werden? Wer wird als Autor:in und öffentliche:r Intellektuelle:r anerkannt?

Eine literatur- und sozialhistorische Analyse der Form(-ung) des Essays soll zum einen zeigen, dass die Idee und das kritische Ideal des Essays seit seinen Anfängen bei Montaignes Essais (1580) meist diametral im Gegensatz zu seiner tatsächlichen Materialisierung als exklusives Genre einer eurozentrischen "Maleness of reason" stand. Der Umriss einer korrigierenden Genealogie der epistemischen und sozialen Ausschlüsse des Essays dient zum anderen als Fundament für die Erforschung und Kontextualisierung von deren Bruchstellen, Gegenbewegungen und von anderen Formen des essayistischen Denkens und Schreibens.

Denn ab den 60er Jahren eigneten sich nordamerikanische Autor:innen den Essay verstärkt an, nutzten ihn als Medium der Gesellschaftsdiagnostik, der Kulturkritik, der sozio-kulturellen Intervention und entwickelten eigenen Ästhetiken des Faktualen. Insbesondere weibliche und afroamerikanische Autor:innen setzten den Essay als Medium der politischen Selbstautorisierung und der literarischen Neuverhandlung von kulturellem Wissen, weiblicher und minoritäter Subjektivität und Positionalität und bis dato essayfernen Themen ein.

In Analysen der Essays von Joan Didion, Audre Lorde, Susan Sontag, Alice Walker, Elizabeth Hardwick und Toni Morrison kann die Variabilität eines Essayismus als kulturelle Praxis und Arbeit aufgezeigt werden. Diese sind im kulturellen, epistemischen und soziopolitischen Kontext zwischen kaltem Krieg, Jugend- und Protestbewegungen, Desegregationsdebatten und neuen Wissens- und Publikationsformen zu verstehen. Zudem können neue essayistische Poetiken konzeptualisiert werden, die zwischen den Feldern Literatur, Journalismus, Episteme und Aktivismus vermitteln, auf autoethnographische und bezeugende Methoden zurückgreifen und nicht zuletzt dem Leiblichen einen entscheidenden Platz zueignen.

Als weiblich gelesene und rassifizierte Körper stellten lange Zeit das konstitutive Andere des Essays dar, das nun auf unterschiedliche Weise in der Gattung auftaucht: als Linse und Speicher von Gesellschaftskritik, als phänomenologische Perspektivierung, in pathographischen Erkundungen, als Politikum in Quasi-Pamphleten – oder als bewusste Leerstelle. Eine Analyse der verschiedenen essayistischen Textkörper kann die tradierten Grenzen des epistemischen Genres des Essays und die Annahmen über die Beziehung zwischen dem (weiblichen) Körper, intellektueller Analyse und faktualer Ästhetik neu ausloten. Nicht nur sich verändernde Repräsentationen und die Spuren von, und Widerstände gegen, hegemoniale Epistemologien des sozial und geschlechtlich markierten Körpers können aus den Texten destilliert werden. Auch lassen sich anhand der Texte alternative Entwürfe und Signaturen ausloten, in denen der Körper als ein Ort und Medium des Wissens, der Visibilisierung, der ästhetischen Erfahrung, der Körperpolitik – des Ein-greifens – fungiert.

Zuletzt werden anhand der untersuchten Essayist:innen der Wandel von Einfluss, Rolle und der Figur von weiblichen public intellectuals in der Zeit des kalten Krieges sichtbar. Die spezifisch amerikanische Figur der Essayistin als kulturelle Figuration und Fantasie verbindet sich hier mit transnationalen Krisenphänomenen und Emanzipationsbewegungen, Kanonisierungsprozessen und der sozialen (Im-)mobilität von intellektuellen Sprech- und Adressierungspositionen.

"Wider den Stand. Transformatorische Schreibweisen, Essays im Wandel(n) und der fluide (Text-)Körper in Maggie Nelsons The Argonauts" in: Iris Därmann / Andreas Gehrlach (Ed.): Widerstand und Ablehnung. Berlin: de Gruyter (in preparation, publication planned for winter 2022).

Conference Talk "Ways of Seeing and not Knowing. Gendered Exclusions and Embodied Positions in the Essay" at the international conference "From the scenic essay to the essay-exhibition. Expanding the essay form in the arts beyond literature and film" , April 27-29 2022, Ghent, Belgium.

Lohmann Sophia (2021) Rankine, Claudia: Just Us. In: Arnold H.L. (Eds.) Kindlers Literatur Lexikon (KLL). J.B. Metzler, Stuttgart. https://doi.org/10.1007/978-3-476-05728-0_23193-1

Dahlem Research School
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