"The Challenges of Freedom" - Graduiertenschul-Antrag: Interview mit Prof. Haselstein und Prof. Lehmkuhl

News from Jun 15, 2006

Veröffentlicht im JFKI-Newsletter Nr. 2 (Mai 2006). Das Interview führte Katja Egli.

Am 13. Oktober 2006 fällt die Entscheidung: Wird das John-F.-Kennedy-Institut dank der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern um die "Graduate School of North American Studies" mit bis zu 30 Stipendiaten erweitert? Die Antwort auf diese Frage hat mit rund einer Million Euro jährlicher Förderung auf fünf Jahre nicht nur Auswirkungen auf das Institut, sondern auf die gesamte Freie Universität. Nur, wenn der Graduiertenschul-Antrag und der "Cluster of Excellence: Governance in a Globalized World" bewilligt werden, hat Berlins größte Universität die Chance auf die Förderung ihres Zukunftskonzepts "Freie Universität Berlin - an International Network University". Prof. Ulla Haselstein als Sprecherin des JFKI-Antrags (neben Prof. Winfried Fluck) und Prof. Ursula Lehmkuhl als Beteiligte an beiden entscheidenden Anträgen spekulieren zwar nicht über den Ausgang, erklären aber das Konzept des Projekts und gewähren Einblick in ihre Visionen für das JFKI.

Der Antrag ist eingereicht, für Erholung war keine Zeit, nahtlos starteten Sie in das neue Semester. Wie fühlen Sie sich?

Haselstein: Erleichtert und müde zugleich, aber auch zuversichtlich.

Lehmkuhl: Erwartungsvoll. Wir sind schon gespannt auf die Entscheidung.

Jetzt, da alles geschrieben ist, können Sie etwas über den Inhalt der geplanten Graduiertenschule verraten?

Haselstein: Der Titel lautet "The Challenges of Freedom". Es geht es um gegenwärtige Debatten über den amerikanischen Freiheitsgedanken, sowohl innerhalb der USA, als auch aus globaler Sicht.

Lehmkuhl: Themen sind zum Beispiel Bürgerrechte und Immigration, aber auch das Problem des American Exceptionalism in historischer und aktueller Perspektive. Stets spannen wir dabei interdisziplinäre Bögen. So soll Immigration sowohl unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, als auch im Hinblick auf Kunst und Kultur untersucht werden. Das alles wird eingebettet in die historischen Tiefendimensionen der dahinter liegenden Prozesse.

Haselstein: Wir haben acht Research Areas vorgesehen. Jeder dieser thematischen Schwerpunkte wird von mehreren Abteilungen des Instituts getragen. Zusätzlich wirken KollegInnen aus den Mutterdisziplinen an den Fachbereichen mit. So sind stets mindestens drei Disziplinen pro Area vertreten. Ziel ist, gemeinsam ins Gespräch zu kommen und so der Multidimensionalität des Oberthemas gerecht zu werden.

Spekulieren Sie über den Ausgang des Wettbewerbs?

Haselstein: Natürlich nicht! Wir sehen es schon als echten Erfolg, dass wir bis jetzt dabei sind – und das bei so wenig Vorlaufzeit. Aber Folgendes steht fest: Das JFKI steht einzigartig da, und das nicht, weil wir uns für den Wettbewerb grundlegend verändert hätten, sondern weil wir mit dem Antrag unsere Tradition fortführen: Das Konzept der integrierten Area Studies, der Interdisziplinarität in Lehre und Forschung. Es gibt, zumindest in Europa, keine Institution, die derart multidisziplinär Nordamerikaforschung betreibt wie wir. Wir sind eben nicht nur philologisch orientiert, sondern bestehen aus je 50 Prozent Geistes- und Sozialwissenschaft. Damit scheren wir aus längst überholten Strukturen aus, aber eben nicht erst, seit alle Abteilungen zusammen den Antrag ausgearbeitet haben. Gerade während des Schreibens hat sich erneut gezeigt, dass sich die Zusammenarbeit der Abteilungen des Instituts langfristig bewährt hat. Die Inhalte wurden gemeinsam formuliert und werden so auch von allen getragen.

Lehmkuhl: Es liegen weitere Stärken unserer Einrichtung auf der Hand. Bedeutend sind auch infrastrukturelle Faktoren, wie die räumliche Nähe der Wissenschaftler verschiedener Disziplinen, die ausgezeichnete Bibliothek oder die mit neuer Medien-Technik ausgestatteten und renovierten Seminarräume. Dazu kommt die Vernetzung des Instituts innerhalb der Freien Universität und mit führenden American Studies Programmen in Europa, USA und Kanada. In der Antragsphase haben wir auch seit langem bestehende Kooperationen mit etlichen Institutionen formalisiert.

Also passt die geplante Graduiertenschule geradezu ideal zu einer Universität, die für sich das Strategiekonzept "International Network University" entwickelt hat?

Lehmkuhl: Ja, das ergänzt sich alles sehr gut und ist auch kein Zufall. Es gibt personelle und thematische Verbindungen zwischen der Graduiertenschule und dem Cluster. Dazu fügen sich beide Anträge gut in das Zukunftskonzept der Freien Universität. So werden vorhandene Stärken zusammengeführt.

Wie sieht Ihre Vision für das Institut aus?

Haselstein: Wenn wir die Förderung erhalten, können wir das Humboldtsche Projekt der Einheit von Forschung und Lehre unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts auf allen Ebenen (B.A., M.A., Ph.D.) hier erneuern.

Lehmkuhl: Mit der Graduiertenschule würden wir eine Vorreiterfunktion in der gegenwärtigen Debatte um die Wiederbelebung der Area Studies übernehmen. Interdisziplinarität und konsequente Einbeziehung der Mutterdisziplinen kennzeichnen unsere inhaltlichen und methodischen Vorstellungen. In dieser Hinsicht würden wir, wie in der Vergangenheit, auch eine profilbildende Funktion für die Gesamtuniversität übernehmen. Wir werden in Europa, aber auch darüber hinaus, der Ort sein, an dem die zukünftige Generation von Nordamerika-Spezialisten ausgebildet wird.

Welche Aufgaben müssen noch gemeistert werden, um für diese Zukunft gewappnet zu sein?

Lehmkuhl: Im Hinblick auf die Infrastruktur stehen neben der Sanierung des Parkplatzes der Umbau und die Modernisierung der Bibliothek an. Inhaltlich müssen wir die traditionsreiche, herausragende wissenschaftliche Arbeit fortsetzen. Dazu sollten wir unsere Anstrengungen auch auf das Gelingen des Masterstudiengangs richten.

Haselstein: Unsere wichtigste Aufgabe jetzt und in Zukunft ist die Ausbildung guter, kreativer Studierender, die sich mit ihrem Fach identifizieren. Das ist bisher ausgezeichnet gelungen, und die Einrichtung einer Graduiertenschule wird davon  orofitieren und zugleich den Studierenden, die promovieren wollen, neue Chancen des Lernens (und übrigens auch des Lehrens) eröffnen.

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Dahlem Research School
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