Abteilung Politik organisiert erfolgreiche Konferenz über die „Vereinigten Staaten in einer Zeit der Ungleichheit“

News vom 08.12.2016

Zwischen dem 11. und dem 13. November organisierte die Abteilung Politik des John-F.-Kennedy-Instituts zusammen mit der Atlantischen Akademie das jährliche Treffen der politikwissenschaftlichen Abteilung der Deutschen Gesellschaft für Amerikastudien (DGfA) am JFKI. Mit der Teilnahme von über 250 ProfessorInnen, PhD-KandidatInnen, Studierenden und TeilnehmerInnen von außerhalb der Universität sowie anregenden und inspirierenden Vorträgen übertraf die Konferenz mit dem Titel „Balancing the Scales: The United States in an Age of Inequality“ am Ende alle Erwartungen.

Eingeleitet wurde das Wochenende mit dem Versuch die größte Überraschung der vorangegangenen Woche - die Wahl Trumps zum US-Präsidenten – politisch einzuordnen. Irwin Collier und Jessica Gienow-Hecht vom JFKI hatten die Aufgabe, gemeinsam mit dem Deputy Chief of Mission der Botschaft der Vereinigten Staaten, Kent Lodgson sowie Prof. Dr. Andreas Falke von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, nicht nur die Gründe für den Sieg Trumps sondern auch die Implikationen und Potentiale seiner zukünftigen Präsidentschaft zu eruieren. 

Der Freitag startete dann mit einer Vorführung der von Curtis Chin gedrehten Dokumentation “Tested” - ein Film der sich dem Themenkomplex racial diversity und öffentliche Eliteschulen durch die Zusammenarbeit mit einem dutzend New Yorker Familien aus unterschiedlichen sozio-ökonomischen und religiösen Hintergrund nähert. Der Film sowie die darauffolgende Debatte mit dem Filmemacher Chin ermöglichten einen nahtlosen Übergang in das Konferenz-Thema des Tages, „Ungleichheiten zuhause“.

Von dem Einfluss den die Sharing Economy auf Ungleichheit ausübt über die Implikationen der Gesundheitsreform bis zur Rolle von Think Tanks in der öffentlichen Debatte zu Ungleichheiten befassten sich die Panels mit einer Reihe von sozialen und politischen Problem die die USA zurzeit in großem Stile betreffen. Zum Abschluss des Tages wandte sich Professor Michael C. Herron (Dartmouth College) in seinem Keynote-Vortrag dann noch dem Thema „Mortality, Incarceration, and African-American Disenfranchisement” zu und machte das bemerkenswerte Argument dass im zwanzigsten Jahrhundert mehr als 3,9 Millionen African-Americans aufgrund unverhältnismäßiger Sterblichkeitsrate sowie fortlaufender Inhaftierung entrechtet worden seien. 

Am Samstag richtete die Konferenz ihre Augen dann auf globale Ungleichheiten. Die über den Tag verteilten Panels beschäftigten sich mit Ungleichheiten in Internationalen Organisationen, der Politisierung der US-Amerikanischen Handelspolitik sowie der Verbindung zwischen Finanzialisierung, Neoliberalismus und steigender Ungleichheit. Am Ende des Abends und als kröndender Abschluss der Konferenz hielt Wendy Brown (UC Berkely) dann noch ihre spontan abgeänderten Keynote-Rede. Noch immer aufgewühlt vom Ergebnis der US-Wahl verzichtete sie darauf über ihre 2015er Veröffentlichung Undoing the Demos zu sprechen und konzentrierte sich stattdessen auf die Fragen “Was hat den Trump-Erfolg möglich gemacht?” und “Was müssen wir überdenken im Anschluss an die Wahl?”. Browns Ansicht nach sei es vor allem auch die mainstream-Politikwissenschaft gewesen die im Vorlauf der Wahl gescheitert ist. Um adäquat mit den Implikationen einer Trump-Präsidentschaft umgehen zu können schlug sie eine Rückkehr zu der Methodologie der Frankfurter Schule sowie ihrer Perspektive des “autoritären Charakters” vor. Die abschließende Keynote-Rede brachte demnach nicht nur die Konferenz zu ihrem Ausgangspunkt, der US-Wahl, zurück, sondern erzeugte ebenfalls eine angeregte Debatte zwischen den verbliebenen TeilnehmerInnen – eine Debatte, die selbst außerhalb des JFKIs nach Schließen der Türen gegen 21.00 Uhr noch nicht ihren Abschluss gefunden hatte.

Auf die drei Tage zurückblickend können wir von der Abteilung Politik sagen dass wir sehr froh darüber sind wie die Konferenz gelaufen ist. Die spannenden Debatten, die große TeilnehmerInnen-Anzahl sowie die provokativen und inspirierenden Präsentationen lassen uns alle mit Freude auf die nächste Konferenz der DgfA in 2017 blicken.

Program

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