Großdiebstahl aufgeklärt

Großdiebstahl aufgeklärt

Bei der Durchsuchung staunten die Beamten des Polizeiabschnitts 45 nicht schlecht. In der Charlottenburger Wohnung von Sebastian L. stapelten sich hunderte von Büchern, Zeitschriften und Zeitungen, entwendet in verschiedenen Bibliotheken mit Amerikabeständen wie der Berliner Staatsbibliothek, mehreren Amerika-Häusern und – am stärksten betroffen – der Bibliothek des JFKI. Die Polizisten benötigten zwei Tage, um das Diebesgut sicherzustellen.

Einige Monate zuvor war Bibliotheksmitarbeitern aufgefallen, dass Sebastian L. – seit langem Stammgast in der Bibliothek – immer wieder volle Taschen in seinem Garderobenfach verstaute, die er nicht an der Leihtheke vorgezeigt hatte. Als sie daraufhin die Taschen kontrollierten, fanden sie 15 Bände aus dem Präsenzbestand zur amerikanischen Geschichte. Sie erstatteten Anzeige, woraufhin die Freie Universität Sebastian L. ein Hausverbot aussprach und die Polizei die Ermittlungen aufnahm.

Im Anschluss an die Wohnungsdurchsuchung wurden der Bibliothek nun knapp 800 Bände – ein großer Teil davon wertvoller Lesesaalbestand – und einige hundert Zeitschriftenhefte von der Polizei zurückgegeben. Die unübersehbaren Lücken, die sich im Bestand zur amerikanischen Geschichte in den letzten Jahren aufgetan hatten, konnten damit weitgehend geschlossen, der allmähliche Bücherschwund aufgeklärt werden.

Da Sebastian L. in den entwendeten Büchern häufig notierte, wo und wann er den Band mitgenommen hatte, konnte die Polizei rekonstruieren, dass er bereits seit Anfang der 90er Jahre Bibliotheken bestohlen hatte, zunächst in Köln und Umgebung, später in Berlin. Im JFKI war er mindestens drei Jahre aktiv, bis er sich durch die größeren Büchermengen verdächtig machte.

Bereits vor der Überführung von Sebastian L. hatte die Bibliothek eine Buchsicherungsanlage in die Umbauplanung aufgenommen, um dem Bücherschwund Einhalt zu gebieten. Künftig sollen Bücherdiebe auf diese Weise so weit wie möglich abgeschreckt oder überführt werden – auch wenn eine absolute Diebstahlsicherheit nie erreicht werden kann.

(Benjamin Blinten)