Willi-Paul-Adams-Preis für Jessica Terruhns Magisterarbeit zum Privileg des „Weißseins“

Jessica Terruhn erhält den Willi-Paul-Adams-Preis für die beste Abschlussarbeit des akademischen Jahrs 2007/2008, das hat der Institutsrat des JFKI nach Vorarbeit der Findungskommission in seiner ersten Sitzung des Jahres 2009 beschlossen. Die Arbeit hat den Titel: “Unusual Suspects and Worthy Victims. How Whiteness Is Reproduced in the Crime Coverage of the U.S. Press”. In ihr untersucht die Autorin die Berichterstattung über Morde in renommierten amerikanischen Printmedien (u.a. in der New York Times). Dabei dokumentiert sie die ethnische Zugehörigkeit der Täter und der Opfer.

Durch eine Inhaltsanalyse dieser Berichterstattung (u.a. auch der dabei verwendeten Bilder) weist sie nach, dass diese Medien eine verzerrte Darstellung dieser Verbrechen liefern: Den höchsten Nachrichtenwert hat die Kombination eines weißen Opfers mit einem black male perpetrator. Während die schwarzen Täter deindividualisiert werden und somit auf die Mitgliedschaft in  einer überdurchschnittlich „gefährlichen“ Bevölkerungsgruppe reduziert werden, werden, gilt für weiße Täter sehr viel stärker eine Unschuldsvermutung: Weißsein heißt zu einer Gruppe zu gehören, die normalerweise nicht ohne Ansehung der besonderen Umstände verdächtigt wird.

Dies mündet sehr viel eher in ein „Verstehen“, wenn nicht sogar in eine partiellen Freispruch von Schuld bei weißen Tätern. Es versteht sich in diesem Zusammenhang dann von selbst, dass auch weiße Opfer als „wertvoller“ gelten als schwarze und ebenfalls sehr viel eher einen individuellen Charakter haben – der schwarzen Opfern in der Regel von den Medien verweigert wird.

Selbst in der New York Times und vergleichbaren „Qualitätsmedien“ kann in der Berichterstattung über Kriminalität dieser verdeckte, latente Rassismus nachgewiesen werden („racism without racists“). Es wird dem Leser deutlich vor Augen geführt, dass das Privileg, weiß zu sein, vor allem darin besteht, als ein Individuum behandelt zu werden, dessen besondere Biographie und Lebensumstände in den Blick treten – d.h. ohne dass die ethnische Zugehörigkeit jemals Thema wird.

Jessica Terruhn ist nach dem erfolgreichen Abschluss ihres Studiums im Fach Nordamerikastudien nach Neuseeland ausgewandert und setzt dort ihre akademische Karriere fort. Wir wünschen Ihr dabei viel Erfolg! (Harald Wenzel)